Über den Wolken: So läuft die Ausbildung zum Piloten

Über den Wolken: So läuft die Ausbildung zum Piloten

Der Traum vom Fliegen begleitet die Menschheit seit jeher. Doch vielen Menschen genügt es nicht, sich ab und zu als Passagier in ein Flugzeug zu setzen – sie wollen selber fliegen. Die Ausbildung zum Piloten macht es möglich. Doch bis man auf der linken Seite im Cockpit Platz nehmen darf, dauert es eine ganze Weile. Vorher muss eine umfangreiche Ausbildung absolviert werden.

Der Beruf des Piloten erfordert eine gehörige Portion an Verantwortung. Immerhin bist Du für Leib und Leben Deiner Passagiere verantwortlich. Ein hochtechnisiertes Umfeld erfordert eine ordentliche Portion an technischem Verständnis. Sei Dir darüber bewusst, dass die Fliegerei Dich physisch und auch psychisch fordern wird. Unter anderem deshalb werden Berufspiloten von den Fluggesellschaften sorgfältig ausgewählt und bekommen eine umfassende Ausbildung.

Am Anfang steht der Eignungstest

Bevor Du überhaupt mit der Ausbildung zum Piloten beginnen darfst, musst Du einen Eignungstest absolvieren. Bei der Lufthansa zum Beispiel sind es gleich zwei anspruchsvolle Tests, die beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) durchgeführt werden. Ein Test kann, falls er nicht bestanden wurde, nicht wiederholt werden. Die Lufthansa ist der Meinung, dass Schwachpunkte im Fähigkeitsbereich zeitlich stabil bleiben und es zu keinen anderen Ergebnissen kommt. Heißt: Wer einmal den Test versemmelt hat, bekommt (zumindest bei der Lufthansa) keine zweite Chance.

Unter anderem geht es um folgende Bereiche:

·       Technisch-physikalisches Grundwissen

·       Englischkenntnisse

·       Rechenfähigkeit und logisches Denken

·       Konzentration und Merkfähigkeit

·       Wahrnehmungsgeschwindigkeit und Orientierung

·       Sensomotorische Koordination

Im Anschluss wird die Fähigkeit zur Teamarbeit, das Verhalten in Gruppen- und Einzelsituationen und die Berufsmotivation bewertet. Zum Schluss wird Deine Flugtauglichkeit beurteilt. Hier geht es um medizinische Dinge. So kann es zum Beispiel sein, dass Kandidaten, die einen zu hohen Dioptrien-Wert haben, trotz aller bestandenen vorangegangenen Prüfungen doch noch aussortiert werden.

Was kostet eine Ausbildung zum Piloten?

Die Ausbildung zum Piloten schlägt bei den großen Fluglinien mit rund 60.000 Euro zu Buche. Die Airlines bieten in der Regel einen Kredit an, der dann in Raten zurückbezahlt werden muss.

Wer sich für eine private Ausbildung an einer Flugschule entscheidet, muss 70.000 bis 100.000 Euro auf den Tisch legen.

In diesem Fall kommst Du um einen Kredit vermutlich nicht herum. Damit dieser kein allzu großes Loch in den Geldbeutel reißt, solltest Du genau vergleichen.

Was verdient ein Pilot?

Piloten dürfen sich über ein üppiges Gehalt freuen. Das Jahresgehalt eines Co-Piloten beginnt bei den größeren Airlines bei 49.000 Euro. Das Einstiegsgehalt eines Kapitäns liegt bei mindestens 77.000 Euro pro Jahr und das Endgehalt eines Kapitäns kann bis zu 230.000 Euro pro Jahr betragen. Nur bei der Billig-Fluglinie Ryanair sind die Gehälter niedriger.

 

Co-Pilot (pro Jahr in Euro)

Einstiegsgehalt für Kapitäne (pro Jahr in Euro)

Endgehalt für Kapitäne (pro Jahr in Euro)

KLM

49.000

134.000

230.000

Lufthansa

63.000

110.000

225.000

TUIfly

63.000

106.000

204.000

British Airways

61.000

77.000

181.000

Condor

60.000

104.000

135.000

Easyjet

50.000

115.000

135.000

Air Berlin

45.000

80.000

115.000

Emirates

69.000

97.000

97.000

Etihad

62.000

84.000

94.000

Ryanair

25.000

53.000

85.000

Die Gehälter von Piloten bei den größeren Fluggesellschaften. Quelle: dpa

Welche Pilotenlizenzen gibt es?

Die einzelnen Lizenzen unterteilen sich in die Bereiche Privatpilotenlizenz, Berufspilotenlizenz und Verkehrspilotenlizenz.

Privatpilotenlizenz (PPL) – Private Pilot Licence

Der erste Schritt in die Fliegerei ist die Privat Piloten Lizenz (PPL). Sie stellt die Bescheinigung zum Fliegen für private Zwecke dar. Geflogen werden darf mit dieser Lizenz jedoch nur am Tag. Sie ist unterteilt in die Bereiche Motorflugzeuge (PPL (A)), für Hubschrauber (PPL (H)) und für das Fahren von Ballonen (PPL (D)). Um diese Lizenz zu erlangen, musst Du mindestens 17 Jahre alt sein, eine ärztliche Bescheinigung über Deine Flugtauglichkeit vorweisen, eine Erste-Hilfe-Ausbildung absolviert haben und eine gründliche Ausbildung in Theorie und Praxis absolviert haben.

Auf dem Lehrplan stehen unter anderem die Bereiche

·       Luftrecht

·       Meteorologie

·       Navigation

·       Technik

Wer will, kann die Lizenz um die Bereiche „Nachtflug“, „Instrumentenflug“ und „Kunstflug“ erweitern.

Berufspilotenlizenz (CPL) – Commercial Pilot Licence

Wer mit der Fliegerei Geld verdienen möchte, also Passagiere befördern will, braucht eine Berufspilotenlizenz. Sie gilt für Flugzeuge mit einem einzigen Piloten, also für die meisten ein- und zweimotorigen Propellermaschinen. Aber auch düsengetriebene Flugzeuge gehören dazu. Wichtig ist, dass das Flugzeug eine maximale Abflugmasse von 12,5 Tonnen nicht überschreiten darf.

Wer eine CPL erwerben möchte, muss eine medizinische Tauglichkeit der Klasse I und ein englisches Funksprechzeugnis besitzen. Erwartet werden zur Erteilung der Lizenz außerdem mindestens 200 Flugstunden als Pilot auf Motorflugzeugen und eine weitere theoretische Ausbildung.

Verkehrspilotenlizenz (ATPL) – Airline Transport Pilot Licence

Die „Königsklasse“ der Pilotenlizenzen ist die ATPL. Damit darfst Du uneingeschränkt als Verkehrsflugzeugführer bei allen Fluggesellschaften arbeiten. Airbus oder Boeing – damit darfst Du abheben. Um als verantwortlicher Pilot, also als Kapitän, tätig zu sein, musst Du jedoch mindestens 1.500 Flugstunden vorweisen. Bis dahin handelt es sich bei dieser Lizenz um eine „frozen ATPL“, Du nimmst also den Status des Co-Piloten ein.

Pilotenausbildung ist auch im Ausland möglich

Die Ausbildung zum Piloten kostet Geld. Mitunter so viel, dass die Kosten den Traum vom Fliegen schier unmöglich machen. Anders ist das bei Ausbildungen im Ausland. Vor allem in den USA sind die Kosten für die Pilotenausbildung wesentlich geringer als in Deutschland. Die Honorare der Fluglehrer und der Flugstunden sind günstiger. Auf der anderen Seite stehen diesen Kosten jedoch noch weitere Ausgaben gegenüber. So muss man sich für die Dauer der Ausbildung unter anderem um eine Unterkunft kümmern.

Weil man mit einer amerikanischen Lizenz aber nicht in Europa fliegen darf, ist eine zusätzliche Schulung mit anschließender theoretischer und praktischer Prüfung notwendig. Auch das kostet Geld. Genau hinschauen und ausrechnen ist also wichtig.

Wer sich jedoch für eine Flugschule in den USA entscheidet, erweitert gleich seinen Horizont. Immerhin lernt man nicht nur die Fliegerei, sondern sieht etwas von dem Land und den Leuten. Auch werden die Englischkenntnisse verbessert. Infos zur Pilotenausbildung in den USA gibt es auf www.flightschoolusa.com oder flyaaa.com.

Wie geht die Karriere weiter?

Die Berufsaussichten sind recht gut. Wer die Ausbildung bei einer Airline absolviert hat, hat eine beinahe 100-prozentige Übernahmegarantie. Begonnen wird als Co-Pilot. Der Weg zum Kapitän führt über weitere Zusatzausbildungen und über die entsprechende Flugerfahrung.


14.09.17